Berufliche Ausbildung in der Covid-19-Pandemie

Nachfolgend ein Brief des Kultusministers Grant Hendrik Tonne.

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Sie auch in diesen schwierigen Zeiten der Covid-19-Pandemie weiterhin ausbilden und Ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Ausdrücklich begrüße ich Ihre Bereitschaft, trotz der Unsicherheiten in der Pandemie an Ausbildung festzuhalten und jungen Menschen einen Einstieg in die berufliche Karriere zu ermöglichen.

Die berufliche Bildung vor allem die duale Bildung, ist ein Pfund, mit dem Deutschland wuchern kann. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und den Fachkräftebedarf zu sichern. Deshalb ist es in der Pandemie wichtig, dass Ausbildung fortgesetzt wird und trotzdem alle Beteiligten möglichst umfassend vor Infektionen geschützt werden.

Ich möchte Ihnen versichern, dass die berufsbildenden Schulen in ihrer Rolle als dualer Partner sehr verantwortungsbewusst und weitsichtig mit den Hygienevorschriften und den verschiedenen Regularien des Schulbetriebs umgehen. Nach derzeitiger Erkenntnis sind Schulen keine Pandemietreiber. Nach dem Leitfaden „Schule in Corona-Zeiten" für berufsbildende Schulen begründen die dort beschriebenen Szenarien unterschiedliche Konsequenzen für den Schulbetrieb und somit auch eventuelle Auswirkungen auf Auszubildende, deren Familien und Ihren Ausbildungsbetrieb.

Bei niedrigem Infektionsgeschehen dient das Szenario A als Planungsgrundlage. Die Prämissen hierfür lauten:

• So viel Pflichtunterricht wie möglich!

• So viel Präsenzunterricht wie möglich!

Um vor Ort einen alters- und schulformgerechten Unterricht organisieren zu können, kann die Schulleitung Kriterien gestützt Distanzunterricht umsetzen. So können einzelne Lerngruppen verkleinert werden oder Lerngruppen für ganze Schultage an einem anderen Ort lernen. Der Wechsel zwischen Szenario A und B wird aufgrund der Inzidenzwerte und einer durch das Gesundheitsamt angeordneten Infektionsschutzmaßnahme getroffen. Im Szenario B werden Schülerinnen und Schüler umschichtig in geteilten Lerngruppen unterrichtet- Bitte berücksichtigen Sie, dass auch bei Distanzunterricht uneingeschränkt die Schulpflicht gilt, die Auszubildenden sind dabei genauso freizustellen wie beim Unterricht in der Berufsschule. Wenn Sie die Auszubildenden bei der Wahrnehmung des Berufsschulunterrichts in Distanz unterstützen können, indem Sie Lernräume bereitstellen, haben Jugendliche, die zu Hause ungünstige Lernbedingungen haben, bessere Chancen dem Unterricht zu folgen.

Nur bei einem extremen Infektionsgeschehen muss auf Szenario C - Quarantäne und Lockdown  zurückgegriffen werden. Diese Maßnahme verfügt das Gesundheitsamt nach Infektionsschutzgesetz, dies kann auch für einzelne Jahrgänge, Klassen oder Gebäudenutzer gelten.

Generell gilt: Die Lehrkräfte werden mit den Schülerinnen und Schülern regelmäßig kommunizieren. Selbstverständlich stehen auch für Sie die Lehrkräfte als Ansprechpartner weiterhin bereit, vereinbaren Sie bitte die Kontaktwege, die für Sie und Ihren Betrieb geeignet erscheinen, grundsätzlich sind die Lehrkräfte gehalten, derzeit in Ihrem Interesse von Betriebsbesuchen eher Abstand zu nehmen.

Es ist nachvollziehbar, dass die derzeitige Pandemie-Lage bei vielen Menschen Unsicherheit oder auch Ängste auslöst. Sie können und dürfen sich darauf verlassen, dass wir auch weiterhin die Entwicklung des Infektionsgeschehens genau im Auge behalten und unser Handeln danach ausrichten, gleichzeitig aber auch das Recht auf Bildung am Lernort Berufsschule bestmöglich umsetzen wollen.

Ich wünsche mir, dass das duale Ausbildungssystem die Auswirkungen der Pandemie gut übersteht und sich in den nächsten Ausbildungsjahren wieder auf das ursprüngliche Niveau einpendelt. Auch betriebliche Praktika leisten einen Beitrag, schulische Ausbildungen abzuschließen und Jugendliche für die duale Berufsausbildung zu gewinnen. Bitte tragen Sie dazu bei, indem auch Sie weiterhin ausbilden oder Praktikumsplätze zur Verfügung stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Grant Hendrik Tonne

Niedersächsischer Kultusminister